Historisches zum Gewerbeverein

Schon seit 1843 war auch in Freiberg der Gedanke aufgetaucht, einen Verein ins Leben zu rufen. An Gründen hierzu fehlte es keineswegs, hatte doch die Stadt durch frühere Kriegsdrangsale besonders gelitten, so dass sich das geschäftliche und gewerbliche Leben nur langsam entwickeln konnte.

Den Verdienst, den Anstoß zur Gründung des Freiberger Gewerbevereins gegeben zu haben, gebührt einem früheren Lehrer am Gymnasium, dem Mathematikus  George Hofmann, der sich in selbstloser Weise bereit zeigte, zur Hebung des Gewerbestandes unentgeltlich Vorträge aus allen Gebieten des Wissens, besonders über mathematische und physikalische Gegenstände darzubieten.

Die erste Versammlung fand am 3. September 1844 statt und wir dürfen daher mit Recht diesen Zeitpunkt als Gründungstag des Gewerbevereins betrachten.Die Gründungsniederschrift enthält die Namen von 30 Personen, die den von einigen Herren bearbeiteten Satzungsentwurf annahmen und durch ihre Unterschrift beglaubigten.

Die Veranstaltungen des Vereins erfreuten sich bald des Beifalls weiterer Kreise, so dass man den Beschluss fasste, erwachsenen Mitgliedssöhnen den Beitritt zu den Versammlungen zu gestatten. Auch der Rat drückte in einem besonderen Schreiben des Bürgermeisters Bernhardi seine Freude über die Gründung des Vereins aus und versprach, dessen Bestrebungen in jeder Hinsicht zu fördern.

Schon frühzeitig trat man mit gleichartigen Vereinen in Verbindung und bekundete dies durch regen Besuch ihrer Stiftungsfeste und Austausch der Satzungen und anderer Vereinsschriften.Sein gemeinnütziges Wirken bekundete der Verein schon im ersten Jahre seines Bestehens durch geeignete Schritte zur Erzielung einer größeren Selbstständigkeit der evangelisch –  lutherischen Kirchengemeinden und wegen Beibehaltung der Garnison, der Bergakademie und des Schullehrerseminars in der Stadt Freiberg, wobei man dem Rate wegen seiner dahingehenden Bestrebungen lebhaften Dank zollte.

Aber auch das innere Vereinsleben fand durch verschiedene Neueinrichtungen, die zum Nutzen der Mitglieder zum Teil noch heute bestehen, eine verständnisvolle Förderung.Eine lebhafte Auseinandersetzung mit dem Mittweidaer Handwerkerverein veranlasste dessen Forderung, alle Ämter der Gewerbevereine nur mit Gewerbetreibenden zu besetzen, da sich die Vereine sonst nicht lange halten könnten.Eine wesentliche Förderung seiner Zwecke erblickte der Gewerbeverein schon in der ersten Zeit seines Bestehens in der Veranstaltung von Gewerbeausstellungen und es unterliegt keinem Zweifel, dass eine mit Geschick und Sachkenntnis ins Werk gesetzte Ausstellung insbesondere für die damalige Zeit aus mancherlei Gründen ein hervorragendes Mittel zur Hebung des Gewerbes und der Industrie bedeutete.

Im Mai 1846 fasste der Verein den Beschluss eine Gesellenfortbildungsanstalt zu begründen. Sie trat im Oktober unter Beteiligung von 29 Gesellen ins Leben und verschiedene Mitglieder übernahmen die Erteilung des Unterrichts.Im Oktober 1854 gaben einzelne Mitglieder die erste Anregung zur Gründung einer Vorschussbank, in demselben Jahre wurde auch auf Veranlassung des Gewerbevereins der Allgemeine Krankenunterstützungsverein ins Leben gerufen.Man nahm auch vielfach Gelegenheit, Anregungen und Petitionen auswärtiger Vereine, die Hebung des Gewerbe und Verkehrswesens betreffend, tatkräftig zu unterstützen.Seit seinem Bestehen war der Gewerbeverein bemüht, neben der Förderung seiner eigenen Ziele gemeinnützige Unternehmungen ins Leben zu rufen, die dem Wohle der gesamten Bürgerschaft gewidmet waren. Schon längst war in dem Streifen der Gewerbetreibenden der Wunsch nach einem Spar und Vorschussverein laut geworden, der Gewerbeverein sah sich daher veranlasst, dieses Verlangen zu unterstützen und ernannte im Jahre 1858 einen Sonderausschuss zur Erledigung der nötigen Vorarbeiten. Bald konnte der Plan verwirklicht werden und so erwuchs aus seinem Schoße ein Unternehmen, dass später unter dem Namen „Vorschussbank“eine umfangreiche Tätigkeit entfaltete.